Die Liquiditätskennzahl (Current Ratio) beschreibt das Verhältnis der kurzfristigen Vermögenswerte eines Unternehmens, die innerhalb eines Jahres in liquide Mittel umgewandelt werden können, zu seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten, die im gleichen Zeitraum fällig sind. Diese Kennzahl zeigt, wie effizient ein Unternehmen seine Ressourcen im laufenden Geschäftsbetrieb nutzt und wie widerstandsfähig es gegenüber kurzfristigen finanziellen Schwankungen ist.
In der Finanzanalyse bezeichnet Liquidität die Fähigkeit von Vermögenswerten, ohne Wertverlust in Geld umgewandelt zu werden. Die Liquiditätskennzahl misst, inwieweit diese Fähigkeit ausreicht, um bestehende Verbindlichkeiten zu decken.
Unternehmer, Manager, Investoren und Kreditinstitute nutzen diese Kennzahl, um die finanzielle Stabilität eines Unternehmens zu beurteilen und dessen zukünftige Zahlungsfähigkeit einzuschätzen. Während das Management die Nachhaltigkeit der täglichen Geschäftsprozesse und den Liquiditätsbedarf für Wachstum bewertet, analysieren Investoren die Effizienz und Kreditgeber die Rückzahlungsfähigkeit.

Die Berechnung basiert auf der Bilanz, die die Vermögens- und Kapitalstruktur eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten zu ermitteln.
Zur Berechnung wird zunächst die Summe der kurzfristigen Vermögenswerte ermittelt und anschließend durch die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt. Das Ergebnis wird in der Regel als Dezimalzahl angegeben.
Die Liquiditätskennzahl lässt sich mit einer einfachen Formel bestimmen:
Das Ergebnis wird üblicherweise auf zwei Dezimalstellen gerundet und als Kennzahl dargestellt. Alle Werte müssen in derselben Währung angegeben werden. Die Kennzahl zeigt, wie viele liquide Mittel einem Unternehmen pro Einheit kurzfristiger Verbindlichkeiten zur Verfügung stehen.
Ein Wert von 2,0 bedeutet beispielsweise, dass für jede Einheit kurzfristiger Schulden zwei Einheiten an Umlaufvermögen vorhanden sind.

Für eine aussagekräftige Analyse ist es wichtig, aktuelle Bilanzdaten zu verwenden. In Branchen mit starken saisonalen Schwankungen können die Ergebnisse je nach Zeitraum erheblich variieren. Daher empfiehlt es sich, die Kennzahl über mehrere Perioden hinweg zu betrachten und Entwicklungen zu analysieren.
Besondere Aufmerksamkeit sollte auch den „aktiven Rechnungsabgrenzungsposten“ gelten. Obwohl diese zum Umlaufvermögen zählen, stellen sie bereits geleistete Zahlungen dar und können nicht kurzfristig in liquide Mittel umgewandelt werden. In detaillierten Liquiditätsanalysen sollten solche Posten gesondert berücksichtigt werden.
Zur Veranschaulichung ein Beispiel:
Umlaufvermögen: 750.000
Kurzfristige Verbindlichkeiten: 500.000
Current Ratio = 750.000 / 500.000 = 1,50
Das bedeutet, dass das Unternehmen über 1,5 Einheiten Umlaufvermögen für jede Einheit kurzfristiger Schulden verfügt und somit eine ausreichende Liquidität besitzt.
Ein weiteres Beispiel:
Umlaufvermögen: 400.000
Kurzfristige Verbindlichkeiten: 500.000
Current Ratio = 0,80
In diesem Fall reicht die Liquidität des Unternehmens nicht aus, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken, was auf ein erhöhtes Risiko hinweist.
Nach allgemein anerkannten finanzwirtschaftlichen Grundsätzen liegt ein gesunder Current Ratio in der Regel zwischen 1,50 und 2,0. Werte in diesem Bereich zeigen, dass ein Unternehmen seine kurzfristigen Verpflichtungen problemlos erfüllen kann und gleichzeitig seine Vermögenswerte effizient nutzt.
Ein Wert unter 1,0 deutet auf ein Liquiditätsrisiko hin, während ein Wert über 2,0 auf eine mögliche ineffiziente Nutzung der Ressourcen schließen lässt. Bei der Bewertung sollten jedoch immer branchenspezifische Gegebenheiten und die individuelle Struktur des Unternehmens berücksichtigt werden.